Auf dieser Seite finden Sie praktische Tipps, wie Sie mit Ihrer Kamera auch anspruchsvolle Motive mit wenig Aufwand aber genügend Geduld umsetzen können. Diese Seite ist noch im Aufbau; wir werden sie nach und nach mit Inhalt füllen. Sollten auch Sie Fototipps haben, veröffentlichen wir natürlich auch diese gerne.

 

Avaible light – Wespen im Flug

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Hyperaktive Wespen zu fotografieren ist für sich genommen schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Flugaufnahmen sind dabei nochmal besonders. Verwendet man wie bei den folgenden Beispielbildern kein künstliches Licht, muss man sich bewußt sein, dass man im absoluten Grenzbereich der (heutigen) fototechnischen Möglichkeiten arbeitet.

Ein Belichtungszeit von mindestens 1/2000 sec ist notwendig, um eine fliegende Wespe in einer relativ ruhigen Flugphase scharf abzubilden. Mit 1/4000 sec gelingt das auch auch bei schnell fliegende Wespen. Aber auch bei 1/4000 sec sind die Flügel immer noch etwas verwischt, was den Fotos wiederum mehr Authentizität verleiht, als ein mit einem Blitz „eingefrorener“ Flügel. Arbeitet man mit einem Makroobjektiv (hier ein 100mm Makro an einer Canon 70D) so beträgt die Tiefenschärfe nur noch wenige Millimeter. Abblenden um ein bis zwei Blendenstufen ist daher cr-3668empfehlenswert. 1/4000 sec mit Blende f 8 sind Aufnahmeparameter, die man bei Sonnenschein nur mit hohen Empfindlichkeiten von mindestens ISO 800 bis ISO 1600 erreicht.

Direktes Sonnenlicht ist also zwingend notwendig aber wo Sonne ist ist bekanntlich auch Schatten. Um eine bessere Ausleuchtung zu erhalten habe ich bei den Fotos mit selbstgebastelten Papieraufhellern gearbeitet, die ich vorher um das Motiv platziert und je nach Sonnenstand mit Schere, Kleber und KlammIMG_7880_ji - Kopieern angepasst habe.

In der Mitte habe ich einen rechteckigen Ausschnitt gelassen, der ziemlich genau dem zu fotografierenden Motivausschnitt entspricht. Die Kamera wird mit einem Stativ (hier: little elephant²) auf den Ausschnitt ausgerichtet. Der Autofocus ist mit dem für unser menschliches Auge chaotischen Flugmanövern der Wespen absolut überfordert, also muss man vorab auf einen Punkt vorfokussieren und „nur noch“ im richtigen Augenblick auslösen.

IMG_7879_jiUm wie oben links eine Wespe auf Augenhöhe frontal vor blauem Himmel abzubilden kann man sich behelfen. In diesem Fall habe ich im Hintergrund zusätzlich eine blauweise Kunststofftüte platziert, die letztlich unscharf wiedergegeben einen blauen Himmel simuliert.

Relativ einfach ist es, die Wespen dazu zu motivieren, durch das Bild zu fliegen. Hierzu rührt man eine Zucker-Bierlösung an (reichlich Puderzucker in warmen Wasser auflösen und etwas Bier hinzuschütten) und träufelt diese an eine günstige Stelle zwischen Papierreflektor und Objektiv. Alles weitere ist sehr viel Geduld und das schrittweise Herantasten an die richtigen Einstellungen (Reflektoreinstellungen, Fokussierung, Größe des Ausschnitts, Positionierung des Lockstoffs, …).

Zu den Erfolgsaussichten: Man muss sich von vorne herein bewusst sein, dass man bei den vielen möglichen Fehlerquellen eine sehr große Menge Ausschussfotos produziert. Neben dem Auslöser ist daher die Löschtaste das wichtigste Bedienelement an der Kamera. Um späteren Frust vor dem Computer vorzubeugen sollte man das Löschen von nicht gelungenen Bildern immer wieder zwischendurch konsequent und resolut betreiben.

Ein Nachtrag zum Thema Lichtschranke: letztlich lässt sich mit Lichtschrankentechnik und einer Ausleuchtung mit mehrere Blitzen die Ausschussquote erheblich senken und auch die Bildqualität durch die höhere Lichtintensität erhöhen. Aber auch hier kommt man nicht drum herum, sich vorher mit dem Flugverhalten der Tiere auseinander zu setzen und sich an die richtigen Einstellgrößen heran zu tasten. Will man die Erfolgsquote nochmal deutlich steigern, sollte man die Lichtschranke mit einem sehr schnellen Zentralverschluss kombinieren, wie er z.B. in alten Rollei PQS-Objektiven verbaut ist (diese Objektive gelten daher als Geheimtipp unter engagierten Highspeed-Fotografen). Geeignete Lichtschranken und Halterungen finden Sie hier. Bei weiteren Fragen zur Aufnahmetechnik helfe ich Ihnen gerne weiter, Sie erreichen mich über dieses Kontaktformular.

Viel Erfolg und Spaß bei den Aufnahmen wünscht

Harald Gorr